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Wer von uns wäre nicht einmal gerne dabei, wenn Ben Howard und die jungen, unverbrauchten Coldplay gemeinsam ein Album produzieren und sich auf halber Strecke Mogwai mit ins Boot holen? Passiert ist das leider (bislang) noch nicht. Aber mit dieser Klangvorstellung ist man schon verdammt nah an dem dran, was Mount Winslow tun. Geprägt von musikalischen Reisen, engen Freundschaften und einer Menge Experimentierfreudigkeit entsteht so eine musikalische Melange, die eigene Akzente setzt, aber auch ihre Einflüsse aus Folk, Indie, Shoegaze und Post-Rock immer wieder durchschimmern lässt. Frei nach dem Motto: Grenzen sind da, um überschritten zu werden.

Photo: Lena Vollbehr

Photo: Lena Vollbehr

Mount Winslow hören kann ich nur empfehlen! Das macht das Leben ein Stückchen besser.
— Gisbert zu Knyphausen

Ein entscheidender Grund dafür, dass Mount Winslow jedoch gewiss nicht als Copycat im viel zu einheitlichen Indie-Folk-Sumpf bezeichnet werden können, ist gleichzeitig das Herzstück der Kompositionen: Die mal raue, mal anschmiegsame Stimme von Sänger und Pianist Piet Julius, aus dessen Soloprojekt Mount Winslow Anfang 2018 entstand. Dabei spielt das Klangbild jedoch eine nicht weniger wichtige Rolle: Bassist Simon, Gitarrist Henry und Drummer Raphael setzen die Stimme gekonnt in Szene, ohne jedoch als Instrumental-Statisten dazustehen: Hallgetränkte Gitarren, markante Fills, breite Klangflächen, Sounddetails bis in den letzten Winkel der Songs und ein unkonventionelles Spiel mit Rhythmus und Dynamik zeigen, dass die vier ihr Handwerk beherrschen. Jeder Aspekt der Komposition, jedes Instrument, trägt am Ende zu einem organischen Klangkunstwerk bei und steht doch für sich selbst.

Und ebendieser Facettenreichtum ist der Grund dafür, dass Mount Winslow es schaffen, scheinbar Konträres zu amalgamieren: Die analogen Produktionen sind sowohl Roadtrip-Soundtrack als auch Playlist für den Abend allein zu Hause. Sowohl virtuoses Musizieren, als auch ein großes Ganzes. Sowohl leise und zurückhaltend als auch laut und euphorisch. Irgendwie also auch eine musikalische Metapher der Natur, die den Vieren so am Herz liegt. Auftritte bei der COLOGNE MUSIC WEEK und dem Kinkerlitzchen Festival, sowie Support-Slots für Coals und The Day beweisen, dass die Menschen auf ihrer Suche nach tiefgründigen und eigenwilligen Pop bei Mount Winslow fündig werden. Wer viel umherreist, der hat eben viel zu erzählen und so haben die vier einen großen Köcher gefüllt mit Geschichten über Eskapismus, Poesie und Melancholie im Gepäck.

So, it’s best to let the music do all the talking and in this case that is a really fulfilling thing to do because it’s one hell of an impressive debut release.
— Nothing But Hope And Passion
 
 

Drums / Raphael Kazulke

Guitar / Henry Buttchereit

Bass, Synth, Backings / Simon Tubbesing

Vocals, Keys / Piet Julius

 
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Photos by Leonie Göttling